Zwänge heilen – Zwangshandlungen verstehen – Basicreihe 1

In dieser kleine Basic-Reihe wollen wir uns Zwangshandlungen, Zwangsgedanken und Ängste genauer anschauen und die Dynamik dahinter verstehen. Warum ist das so wichtig? Ganz einfach:

Was ich nicht kenne ist mir fremd. Was mir fremd ist macht mir Angst. Solange ich meine Ängste, Sorgen und Zwänge nicht kenne, werden sie mir fremd sein. Und mir dadurch wiederum Angst machen

Sprich: Zwänge, Zwangsgedanken und Ängste werden schon ein bisschen an Gefahr verlieren, wenn wir erkennen wie sie funktionieren. Deswegen fangen wir heute an mit dem Thema Zwangshandlungen: Ganz grob gesagt sind Zwänge Impulse, die sich in verschiedenen Ausprägungen aufdrängen, als unangenehm empfunden und als sinnlos eingestuft werden. Sie lassen sich in drei Kategorien unterteilen, die sich sowohl alleine als auch gemeinsam zeigen können:

  • Zwangshandlungen
  • Zwangsgedanken
  • Zwanghaftes Grübeln

Die Dynamik von Zwangshandlungen

Handlungen in Form eines Zwanges können in unterschiedlichster Ausprägung auftreten. Es geht darum durch Wiederholung, Regeln, gewisse Zahlen und Abläufe, übermäßiges Putzen, magisches Denken, Sammeln, Ordnen, usw. einer gewissen Handlung nachgehen zu müssen, bei der du glaubst, dass sie dir einen Nutzen gibt. Typisch dabei ist es gewisse Routinen zu haben, die von außen betrachtet sinnlos scheinen, sich aber einfach „richtig“ für dich anfühlen, z.B. niemanden mit Schuhen in die eigene Wohnung zu lassen, weil sie den Boden verschmutzen könnten und auch der Sauger das nicht regeln könnte, weil es eine „andere Art von Schmutz“ ist.

Mehr als eine Regel oder ein ungutes Gefühl

Auch „gute“ und „schlechte“ Zahlen sind typisch in diesen Routinen integriert – zum Beispiel, wie oft du etwas wiederholst oder zählst (z.B. drei Mal die Jacke an und aus ziehen, 5x die Kacheln auf dem Boden zählen, nicht die 7. Stufe berühren, weil sie „böse“ ist). Das magische Denken greift hierbei, also den Glauben zu haben, dass deine Handlungen so viel Einfluss haben, dass du sie nicht unterlassen kannst, bzw. eben Dinge als richtig und gut oder als schlecht, böse und häufig auch als gefährlich einstufst (z.B. „Wenn ich das nicht 3x wiederhole, dann passiert etwas schreckliches.“ oder auch „Wenn ich mir die Hände nicht auch nach dem Anziehen wasche, könnte ich krank werden, auch wenn ich sie mir schon vor fünf Minuten gewaschen habe.“

Der wahre Nutzen von Zwangshandlungen

Der Nutzen, der hinter diesen Zwängen liegt, ist es das unangenehme Gefühl zu stoppen, das auf aufkommt, wenn du den Zwang nicht ausführen würdest. Z.B. kann deine Handlung ein befürchteter Gedanke nicht wahr werden lassen und dir das Gefühl geben, dass du ein Unheil aufhältst, etwas „Schmutziges“ reinigst oder du dich einfach scheinbar sicherer fühlst. Scheinbar deshalb, weil es nicht wirklich Sicherheit ist, die du mit der Zwangshandlung erreichst. Sondern vielmehr ein Aufschieben der negativen Gefühle, die dich dabei umtreiben und du so kurz eine Pause von ihnen bekommst.

Zwangshandlungen werden meistens als unsinnig eingestuft. Du bist dir also bewusst, dass es nichts bringt dreimal die Tür zu schließen oder eine bestimmte Zahlenreihe hochzuzählen, damit nichts Schlimmes passiert. Trotzdem fühlst du dich gezwungen, diese Dinge zu tun.

Scheinbare Kontrolle und Halt

Es entstehet ein Teufelskreis: Du fühlst dich überfordert und dein Körper wird eng. Du bekommst Panik und hast das Gefühl etwas dagegen tun zu müssen. Mit Zwangshandlungen versuchst du die Kontrolle wieder zu erlangen. Weitere Zwänge drängen sich auf, die damit verbundenen Gefühlen überfordern dich wieder und zwingen dich letztendlich dazu erneut etwas zu tun, was dir das Gefühl gibt wieder die Kontrolle zu bekommen. Genau dadurch wird der Zwang geboren und am Leben gehalten. Durch die Zwangshandlung bringst du unbewusst deinem Körper und dir selber bei, dass du kämpfen musst, wenn ein Zwangsimpuls kommt. Und weil du immer mehr Angst vor diesen Impulsen bekommst, weil du weißt wie unangenehm sie sind, desto mehr besuchen sie dich. Was wiederum zu mehr Zwängen und Kontrollversuchen führt.  Das ist der typische Kreislauf von Zwangshandlungen.

Du willst mehr über Zwänge und Zwangsgedanken verstehen? Dann lerne den Zwangskompass-Onlinekurs kennen, in dem über 10 Jahre meines Wissens und eigener Erfahrung aus Therapien, Psychologiestudium und Arbeit mit Klienten steckt. Der Kompass soll dich unterstützen und zeigen, was dir deine Zwänge und Zwangsgedanken wirklich sagen wollen:

Ich bin keine ausgebildete Therapeutin und mein Content stellt auch keinen Ersatz für eine Therapie oder medizinische Beratung dar, sondern soll nur helfen eine erste Orientierung oder neue Blickwinkel zu bekommen. Wenn du Unterstützung brauchst, habe ich dir hier ein paar Anlaufstellen und Content, der mir geholfen hat und hilft, zusammengestellt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Zustimmung der Datenschutzerklärung bei Abschicken des Kommentars