Zwänge heilen – Wenn Denken Zwänge nicht löst und warum – Basicreihe 7

Weiter geht es mit der Basic-Reihe zum Thema Zwänge. Heute schauen wir uns an warum Zwänge nicht durch rationales Denken gelöst werden können.

„Dinge, die emotional entstanden sind, können nicht rational gelöst werden. Dein Körper und System arbeiten nicht gegen dich. Aber du tust es, wenn du nur deinen Kopf benutzt.“

Die Ursache deiner Überzeugungen – und (unter anderem) deiner Zwänge

Um ein noch besseres Verständnis für deine Zwänge zu bekommen, müssen wir an dieser Stelle die Biologie unseres Körpers verstehen. Heute weiß man, dass Traumata über Generationen hinweg vererbt werden können. Sprich es kann sein, dass etwas in deinem Körper sitzt, was deine Vorfahren schon in sich getragen haben. Gerade im Bezug darauf, dass nicht vor allzu langer Zeit Kriege und sehr großer Unfrieden auch in Deutschland herrschte und damals keine Zeit war, sich um das psychische Wohlbefinden zu kümmern, weil es um physisches Überleben ging, macht es fast deutlich warum wir heute mit scheinbar unerklärbaren Ängsten und Panik zu tun haben. Unsere Vorfahren hatten keine Zeit sich hinzusetzen und sich zu fragen „Warum habe ich eigentlich Angst?“ Die Angst musste unterdrückt werden, damit sie weiter funktionieren konnten, um zu überleben.

Wir sind mitunter die erste Generation, die sich nicht ums Überleben kümmern muss. Gerade deswegen macht es Sinn, warum auf einmal so viele Menschen mit psychischen Problemen zu tun haben – wir sind die Ersten, die die Zeit und Mittel haben sich wirklich darum zu kümmern, weil unsere Kraft nicht in andere Dingen wie Trümmer aufbauen oder die komplette Familie in der Nachkriegszeit zu ernähren gesteckt werden muss.

Was weiß man noch über unseren Körper

Auch weiß man heute, dass nicht nur unser Körper Erfahrungen und Gefühle speichern, sondern auch süchtig nach gewissen Emotionen und deren Körperreaktionen werden kann.  Das bedeutet, dass du vielleicht mit einem momentanen Gefühl bei dem es scheinbare keinen Auslöser gibt „nur“ ein bekanntes Programm deines Körpers durchlebst, das irgendwann einmal gespeichert wurde und mit der Realität gerade vielleicht gar nichts zu tun hat. Vielleicht warst du schon immer ein ängstliches Kind und weißt gar nicht mehr wie dein Körper sich ohne Ängste anfühlen würde.  Das ist auch der Grund warum so viele Menschen mit denen ich gearbeitet habe nicht wissen, was sie antworten sollen, wenn ich sie frage, was sie denn gerne fühlen würden, wenn die Angst nicht mehr da wäre. Sie haben sich zu sehr dran gewöhnt als sich überhaupt Gedanken dazu zu machen, wie es ohne sie wäre.

Eine Gemeinsamkeit = eine Ursache?

Alle Menschen, die ich bereits mit Zwängen haben eines gemeinsam: Sie würden keiner Fliege etwas zu Leide tun und habe kaum Vertrauen in sich selber. Sie trauen sich selber kaum und ihren Empfindungen ebenso wenig, dass sie nicht mal mehr zweifelsfrei Position beziehen können, wenn das Gehirn ihnen einen Streich spielst und sie in einer Vorstellung z.B. zu einem Mörder werden lässt.

Eigentlich ist dieses „keine Position beziehen können“ gar nicht verwunderlich. Wenn man jahrelang gelernt hat, dass die eigenen Gefühle, Gedanken und Ideen nicht passend sind und anders sein müssen, ist es klar, dass man irgendwann alles was man denkt und fühlt anzweifelt. Einfach weil man eben nicht mehr weiß, was richtig und was falsch ist – was zu einem gehört und was nicht.  Deswegen – du kannst Verständnis haben, dass du kein Vertrauen in dich und dein Urteil hast und das Zwänge der einzige Weg sind, die dich momentan Kontrolle und Sicherheit spüren lassen. Einfach weil du nie gelernt hast, wie das sonst funktioniert. Und ich sage dir jetzt das was ich damals gebraucht hätte: Es ist sowas von okay das Gefühl von Kontrolle dir auf diesem Weg zu holen. Es ist okay, dass du noch keinen anderen Weg hast. Und es ist gut, dass dein System mit Zwängen und Ängsten auf diese Dinge reagiert.

Sicher & Handlungsfähig sein

In Therapien wird oft davon gesprochen, dass Zwänge eben dazu da sind: um Kontrolle zu behalten. Kontrolle zu haben und handlungsfähig zu sein – also die Dinge selber in die Hand nehmen zu können – ist ein elementares Bedürfnis, um sich als Mensch eigenständig und sicher zu fühlen. Fühlen wir uns nicht handlungsfähig, fühlen wir uns auch nicht sicher. Der Boden fehlt unter den Füßen und wir können uns selber, anderen und/ oder dem Leben nicht vertrauen. Vertrauen wir uns nicht selber trauen wir uns auch Dinge nicht zu, z.B. Position zu beziehen, Aufgaben zu übernehmen, Talente zu zeigen, für sich einzustehen oder Grenzen zu setzen (im Zwangskompass-Onlinekurs gehe ich genau auf diese Punkte mit Übungen näher drauf ein).

Worauf machen uns Zwänge aufmerksam?

Zwänge machen uns genau darauf immer wieder aufmerksam, in dem sie uns unsere Grenzen aufzeigen. Sie zwingen uns regelrecht dazu uns endlich mit uns auseinander zu setzen und meiner Meinung nach sind sie für mich da gewesen, dass ich endlich lerne meinen Gefühlen und Wahrnehmungen wieder zu trauen und ernst nehmen zu können.

Zwänge und Ängste spiegeln sich meiner Meinung nach in Unsicherheit wider, die wir als Kinder oder Erwachsenen in gewissen Situationen erfahren haben. Du bist so verunsichert bei diesen Impulsen, weil du Angst hast, dass du das bist was dir dein Kopf in dem Moment verkaufen möchte. Die Gefühle, die ein Zwangsgedanken bei dir auslöst und die damit verbundene Wahrnehmung kommen dir so gefährlich vor, weil du diese nie ausleben durftest. Und noch weniger kannst du deinem Urteil oder deiner berechtigten Meinung vertrauen, dass die Inhalte nichts mit dir zu tun haben.

Das Geschenk in Zwängen ist also:

  1. Sie zeigen dir die Gefühle auf mit denen du nie wirklich in Kontakt sein durftest. Jede Emotion hat eine Kraft in sich, die du dir untersagst. Deine Zwänge wollen dich darauf aufmerksam mache auch diese Kraft in deinem Körper und deinem System zu etablieren.
  2. Sie wollen dich dazu zwingen, dass du lernst, deiner Wahrnehmung und dir selber wieder zu vertrauen.

Du willst mehr über Zwänge und Zwangsgedanken verstehen? Dann lerne den Zwangskompass-Onlinekurs kennen, in dem über 10 Jahre meines Wissens und eigener Erfahrung aus Therapien, Psychologiestudium und Arbeit mit Klienten steckt. Der Kompass soll dich unterstützen und zeigen, was dir deine Zwänge und Zwangsgedanken wirklich sagen wollen:

Ich bin keine ausgebildete Therapeutin und mein Content stellt auch keinen Ersatz für eine Therapie oder medizinische Beratung dar, sondern soll nur helfen eine erste Orientierung oder neue Blickwinkel zu bekommen. Wenn du Unterstützung brauchst, habe ich dir hier ein paar Anlaufstellen und Content, der mir geholfen hat und hilft, zusammengestellt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Zustimmung der Datenschutzerklärung bei Abschicken des Kommentars